
FURIE
2026
Multimedia, Performance, Sound-Installation, Film-Installation, Video
studio hö, Karlsruhe; Juni - Dezember 2026
Work in Progress
FURIE ist ein transmediales Kunstprojekt über weibliche Wut als legitime politische Kraft. Weiblich sozialisierte Personen, also Menschen, die durch gesellschaftliche Erwartungen und Strukturen als Mädchen oder Frauen sozialisiert wurden, unabhängig von ihrer heutigen Geschlechtsidentität, lernen früh, zu funktionieren, zu vermitteln, zu ertragen und stets emotional verfügbar zu sein, ohne selbst Raum einzunehmen. Wut wird dabei selten gezeigt und oft pathologisiert.
FURIE fragt, wie eine Bildsprache aussehen kann, die diese Wut nicht dämonisiert, sondern als Protest, Widerstand und Motor gesellschaftlicher Veränderung sichtbar macht.
Im Zentrum steht ein Atlas der Female Rage, ein öffentlich zugänglicher, wachsender Knowledge Graph, der vorhandenes Material aus Kunstgeschichte, Popkultur und Medien mit eigenen Produktionen verbindet. Inspiriert von Aby Warburgs Methode, Bilder nach ihren Verwandtschaften zu ordnen, stehen die Einträge in einem fortlaufenden Dialog miteinander, sie entlarven sich gegenseitig, eignen sich an, widersprechen sich oder finden Resonanz zueinander, und lassen so aus einzelnen Fundstücken ein Beziehungsgeflecht entstehen. Aus dieser Recherche entstehen archetypische Figuren als Energiezustände weiblicher Wut, The Boiling Hot, The Destroyer, The Warrior, Tigress und Dandy-Girl, umgesetzt in Bildern, Videos, Sound und Performance.
Mehrere Formate vertiefen einzelne Aspekte dieser Recherche und experimentieren mit ihr, Workshops, Panels, partizipative Performances wie En-Rave! und der im Aufbau befindliche Schreichor darunter. Diese Formate sind partizipativ angelegt, weil sich Wut durch Beteiligung erst wirklich erforschen lässt. Sie entstehen zudem kollaborativ, in Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen, die eigene Perspektiven, Körper und Handschriften einbringen. Was dabei an Gesten, Stimmen und Erfahrungsberichten entsteht, fließt dokumentiert zurück in den Atlas und verdichtet sich zu einem vielschichtigen Werk, das Female Rage aus immer neuen Facetten befragt.
FURIE versteht sich als lebendiges Archiv weiblicher Wut, ein langfristiges künstlerisches Forschungsprojekt, das kontinuierlich wächst und sich mit jedem neuen Kontext, jeder neuen Residency und jeder neuen Kooperation weiterentwickelt. Sein Kern bleibt dabei gleich, ein Raum, in dem Frauen wütend sein dürfen, diese Wut verhandeln, reflektieren und gemeinsam erforschen können.






